Drei Tage habe ich im Nachbarland Togos verbracht. Montagmorgen ging es schon spannend los. Ich wollte einen Bus oder ein Sammeltaxi vom Zentralmarkt bis zur Grenze Benins nehmen. Also habe ich ein Taximoto genommen und habe mich ins Getümmel am Markt begeben. Die Leute sind wirklich alles andere als gelassen dort. Es herrscht unglaubliche Hektik, man verliert leicht den Überblick. Autos und Motorräder fahren sich gegenseitig fast über den Haufen und nehmen erst recht keine Rücksicht auf Fußgänger. Von allen Seiten wurde ich (als weiße natürlich allzu gern gesehene Kundin) angesprochen, gestoßen, gezerrt. Jeder der Taxifahrer wollte mich überzeugen bei ihm einzusteigen. Die Leute erhoffen sich von mir (vermeintlich ahnungslosen Touristin) eine hohe Bezahlung. Busse waren keine da, also musste ich mich für ein Taxi entscheiden. Ich hatte mich vorher informiert und wusste, dass der Preis bis zur Grenze 1000 Franc CFA (1,50Euro) beträgt. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich einen Fahrer gefunden hatte, der nicht auf den Doppelten oder dreifachen Preis bestand. Zusammen mit fünf anderen Leuten im Auto (inklusive Fahrer) kam ich eine Stunde später an der Grenze an.
Die Fahrt war nicht besonders bequem, wie man sich denken kann. Aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Abenteuer wollte ich, Abenteuer habe ich bekommen
. Ich habe also Togo an seiner südlichsten Spitze einmal komplett von Westen bis Osten durchquert (nicht mal 60 km), somit den gesamten Hafen gesehen und natürlich die Landschaft außerhalb der Stadt genießen können. Die Straße ist von kleinen Verkaufsständen gesäumt. Frauen verkaufen riesigen Fisch, Schreiner stellen ihre Produkte, wie Schränke und Betten zur Schau und wieder andere (die meisten übrigens) verkaufen Benzin in Glaskalebassen. Der Wind weht mir die verschiedensten Gerüche in die Nase und an manchen Stellen fällt es mir schwer zu Atmen. Der Gestank nach Benzin und Abgasen (die Straße ist an vielen Stellen total überfüllt) ist einfach zu intensiv.
An der Grenze muss ich das Auto verlassen, packe meinen Rucksack auf den Rücken und werde auf einer Strecke von ca. 200 Metern insgesamt durch drei Checkpints gerufen. Es herrscht, ähnlich wie auf dem Markt zuvor in Lomé, ein Wirrwarr von Fußgängern, Motorrädern, Autos und LKW die das Land verlassen oder hinein wollen. Von allen Seiten kommen Händler und wollen mir was verkaufen. Ich ignoriere sie oder schüttele lächelnd mit dem Kopf bevor ich einfach weiter gehe. Ich habe keine Lust zu handeln und will sowieso noch nichts kaufen. Bei der ersten Kontrolle wird nur ein flüchtiger Blick in meinen Pass geworfen und ich werde durch gewunken. Den zweiten Checkpoint übersehe ich glatt und werde von einem Mann in Uniform aufgehalten. Ich solle zurück kommen, mich vor eine Reihe aus Tischen auf die Bank setzen und warten. Von einem mürrisch drein guckenden Beamten wird mein Pass durchblättert. Er stellt mir nuschelnd Fragen und ich verstehe ihn kaum, weil er dabei auch noch einen Zahnstocher im Mund hat, den er hin und wieder von Mundwinkel zu Mundwinkel balanciert. Woher ich komme, wohin ich gehe, wie lange ich bleibe, was ich dort mache, wo mein derzeitiger Wohnsitz ist, was ich beruflich mache und wohin ich nach meinem Aufenthalt gehe will er wissen. Ich beantworte alle Fragen und nach 10 Minuten habe ich den Stempel im Reisepass. Ich sage lächelnd „merci“ und er antwortet grinsend auf Deutsch „auf Wiedersehen“. Freudig überrascht von seinem plötzlichen Humor mache ich mich auf den Weg zur letzten Kontrolle, bevor ich mir in Benin wieder ein Sammeltaxi zur Weiterfahrt suche.
Benin, von Voodoo und Sklavenhandel
Dank meines Trainers aus der Fortbildung, habe ich ein genaues Reiseziel. Ich will in den nahe der Grenze gelegenen Ort Grand Popo. Dort soll direkt am Stand eine schöne Herberge sein. Nach nur 20 Minuten Fahrt komme ich wohlbehalten dort an und suche mir eines der günstigen Zimmer aus. Es ist nicht auf der Seite vom Strand, eine gute Entscheidung wie sich in der Nacht raustellt, da das Meer unglaublichen Krach macht. Zwischen meinem Zimmer und dem Strand liegt eine breite Sandstraße und der andere Teil der Hotels. Selbst mit diesem Lärmschutz höre ich in der Nacht wie die Wellen hart an den Strand donnern. Um ein bisschen Geld zu sparen gehe ich in einem kleinen Einheimischen Restaurant essen. FuFu (eine Art Maniokteig, der gestampft wird) mit Ziegenfleisch in einer wie für die Länder hier üblich, scharfen Soße. Ich habe mich schon einigermaßen daran gewöhnt. Aber mir läuft immer noch jedes Mal die Nase, wenn ich hier einheimisch esse. Abends reserviere ich mir eine Touristentour für den kommenden Tag.
In der Gegend gibt es einiges zu sehen. Der Guide kommt extra für mich, da keine anderen Gäste da sind. Er heißt Mathias und arbeitet für das Hotel. Wir gehen um neun Uhr zu Fuß los. In einem nahegelegenen Örtchen steigen wir in ein kleines Bot (Pirogue) und schippern über eine Lagune in den Fluss „Mono“. Unterwegs geht es durch Mangroven und am Ufer des Flusses zeigen mir Fischer ihren Fang. Kleine und große Garnelen, die sich in den von handgeflochtenen Fangkörben tummeln. Danach besichtigen wir ein Voudou-Dorf, wo an allen Ecken Fetische das Dorf vor Zauber und dem Bösen beschützen. Außerdem zeigt mir Mathias mir noch ein altes Haus, das die Portugiesen nach dem zweiten Weltkrieg gebaut haben. Es ist völlig verfallen und ich habe bedenken ihm bis aufs Dach zu folgen. Oben angekommen werde ich jedoch mit einer fantastischen Aussicht auf das Dorf belohnt. Bevor wir wieder zum Hotel übersetzen, um von dort mit dem Taxi weiter nach Ouidah zu fahren, darf ich noch selbsthergestellten Plamschnaps probieren.
Ouidah ist eine Stadt 45 km westlich von Grand Popo. Sie ist berühmt in Benin, weil von dort aus Sklaven aus den verschiedensten Ländern nach Amerika verschifft wurden. Seit 18 Jahren wird versucht diese Besonderheit für Touristen zugänglich und vor allem anschaulich zu gestalten. Denkmäler wurden errichtet und werden zurzeit restauriert. Vom Markplatz aus, geht die Tour zu unterschiedlichen Stationen, die die Menschen auf dem Weg zum Schiff und somit in eine angsteinflößende und ungewisse Zukunft bringen sollte. Mathias erklärt mir, wie die Menschen behandelt worden sind, wie sie auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden und was sie erwartete, wenn sie schon zu schwach zum Reisen waren. Eine Station ist ein Massengrab. Es soll zehn Meter tief gewesen sein und jeder, der die Torturen der letzten Wochen nicht überstanden hat wurde doch hineingeschmissen. Eine weitere Station ist der Baum „des Vergessens“ und der Baum der Rückkehr. Vor dem Verlassen Afrikas wurden die Menschen mehrere Male um beide Bäume herumgetrieben. Ein Brauch, der vom König Benins ins Leben gerufen worden war. Der erste Baum sollte die Menschen ihre Kultur und Bräuche vergessen lassen und der zweite sollte ihren Seelen nach dem Tod eine Rückkehr nach Afrika ermöglichen. An dieser Stelle wurden auf Befehl des Königs zwei Männer und zwei Frauen lebendig begraben und stellten seine Opfergabe an die Götter dar. Die letzte Station wird heute durch ein großes Tor symbolisiert. Es wird das Tor „de non retour“ genannt. Denn von hier aus gab es keine Wiederkehr. Beeindruckt und berührt davon einen solchen Ort in Echt gesehen zu haben fuhr ich wieder zurück zum Hotel.
Strandtag und Rückfahrt
Mittwoch habe ich endlich meinen ersten Strandtag eingelegt. Der Himmel war wolkenlos und ich konnte sogar ins Meer. Meine Rückfahrt am Nachmittag verlief ähnlich wie meine Hinfahrt, nur das wir diesmal zu acht im Taxi waren. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass das überhaupt möglich ist. Vorne vier und hinten vier… zumindest für eine Strecke von ungefähr 10 km. Das Auto war eigentlich, wie so viele andere hier auch, ein einziger Schrotthaufen. Aber Hauptsache es fährt… Ich hätte aussteigen können, als der Fahrer den achten Mann ins Auto lud, aber ich wollte nicht unnötig auffallen und außerdem wäre es schwierig geworden auf halber Strecke eine andere Mitfahrgelegenheit mit weniger Passagieren zu bekommen. Nach zwei Stunden Reise und ähnlichen Prozeduren an der Grenze wie zwei Tage zuvor, kam ich gestern Abend wohlbehalten und ziemlich müde in Lomé an. Ergänzend zum Bericht könnt ihr meine Reise anhand der Fotos verfolgen.
- ab hier: Ausblick über Lomé bei strahlendem Sonnenschein






































