Kerstin und Ruth, die beiden freiwilligen mit denen ich zusammen im Sommer 2007 meine Arbeit in Burundi begonnen habe, sind letzte Woche abgereist. Der Abschied war schwer für uns alle. Die Kinder und auch die Angestellten der Fondation haben mittlerweile verstanden, dass es in den nächsten Jahren immer so sein wird.
In wenigen Tagen werden 4 neue Freiwillige eintreffen. Lena ist derweil voll damit beschäftigt das Haus für sie herzurichten und alle Dinge die fehlen zu besorgen. Handtücher, neue Decken, Töpfe und Besteckt. Die alten Sachen sind mit der Zeit ziemlich abgenutzt und es fehlt eigentlich überall irgendetwas das angeschafft werden muss damit die Freiwilligen sich von Anfang an gut eingewöhnen können.
Letzte Woche haben wir zu sechst in der Schule in Kajaga Kisten geschleppt. Das geplante Labor muss bis September fertig sein und alle Materialien müssen an ihren Platz. Dafür haben wir einen ganzen Klassenraum voll mit Kartons leer geräumt und von einer Seite des Grundstücks auf die gegenüberliegende Seite transportiert. 6 Stunden lang sind wir durch die pralle Sonne hin und her gelaufen und haben unser Tagesziel erreicht.
Am Nachmittag bin ich dann wie jeden Freitag nach Buterere gefahren. Ich habe schon am Mittwoch drei neuen Frauen Mikrokredite gegeben und Freitag waren nochmal zwei an der Reihe. Außerdem kommen freitags die anderen Frauen um Geld zurück zuzahlen. Nachdem wir das erledigt hatten, wollte ich eigentlich mein Versprechen einlösen, dass ich einer der Frauen gegeben habe. Das Dach von ihrer Hütte ist völlig durchlöchert und ich habe ihr neues Wellblech gekauft, damit sie es auszubessern kann. Das Wellblech haben wir in unserem alten Büro gelagert. Als wir dort ankamen mussten wir feststellen, dass das Schloss aufgebrochen und der komplette Inhalt geklaut wurde.
Meine Laune war verständlicher Weise auf dem Tiefpunkt, es ist so ärgerlich, wenn man was plant und es dann nicht umsetzten kann. Wir wollten gerade wieder unverrichteter Dinge zurück zum Heim gehen, als sich mir ein Mann in den Weg stellt, mich freundlich anlächelt, „jambo“ sagt und mich zur Begrüßung umarmt. Im ersten Moment hab ich mir nur gedacht: das Gesicht kennst du, nur woher nochmal?! Es ist immer ganz schön schwer sich die vielen Gesichter zu merken, die ich während meiner Arbeit sehe. Nach einigen Sekunden dämmerte es mir. Der Mann ist Chantals Onkel. Und im gleichen Moment taucht auch seine Frau hinter ihm auf. Sie drückt mich für burundische Verhältnisse überaus herzlich und erklärt, sie seien extra aus den Bergen gekommen und wolle die Kinder besuchen.
Die beiden haben Glück uns auf der Straße getroffen zu haben, denn sie kennen den Weg zum Heim ja noch nicht. Wir nehmen sie und ihre Geschenke (2 Bananenstauden aus eigenem Anbau) mit und kaufen noch schnell Fanta und Cola, um sie willkommen zu heißen. Im Heim angekommen begrüßen sie die Kinder und wir setzten uns zusammen, um zu klären was mit den fünf Waisen passieren soll. Wie ich schon geschrieben habe, haben die beiden selber schon fünf Kinder und keinen Platz nochmal fünf aufzunehmen. Wir beschließen, dass die beiden kleinen Jungs ins Straßenkinderheim kommen, Chantal will mit dem Baby in Buterere bleiben, so kann sie eine Ausbildung zur Näherin machen und lesen und schreiben lernen, die jüngere Schwester soll bei der Tante und dem Onkel leben. So gemein es sich anhört, die Kinder zu trennen, denke ich ist es die beste Lösung und die einzige, die allen unter den gegebenen Umständen die Möglichkeit bietet zur Schule zu gehen. Claude und Eric sind jung genug um nach den Ferien mit der ersten Klasse anzufangen. Kwizera kann bei ihrem Onkel an einem Alphabetisierungskurs teilnehmen und danach weiter zur Schule gehen.
Diese Woche werde ich in Buterere noch ein weiteres Projekt beginnen, wir verteilen Kleidung an Frauen, die eigentlich einen Mikrokredit haben wollten. Diese Kleidung können sie dann verkaufen und ihren Lebensunterhalt aufbessern. Die Idee ist bei den Frauen super gut angekommen. Sie haben sich sehr gefreut und ich denke am Mittwoch kann es losgehen.



