20.07.08

Die ersten Tage:

Nach dem „Stress“ in Köln mit dem Zug und einer relativ langen Fahrt im Stehen hat in Frankfurt alles super geklappt. In Addis angekommen stand dann sofort schon angeschlagen, dass mein Flug, geplant für 9:15, erst um 13:25 nach Buja starten sollte. Ich wollte es erst nicht glauben, denn eigentlich sollte ich ja schon um 13Uuhr in Buja sein!!! Neben der leichten Panik die in mir aufstiegt weil ich befürchtet habe, dass der Flug ganz ausfällt und ich übernachten muss war es überall unglaublich kalt und ich hab eigentlich damit gerechnet mit ner dicken Erkältung in Burundi anzukommen. So wies aussieht hab ich aber keine Schäden davon getragen ;-) . Bin kerngesund, mein husten hat sich in Luft aufgelöst und meine Nase ist auch wieder frei…. Um 17 Uhr war ich dann auch endlich da, Philipp hat mich abgeholt, leider sind nur meine Koffer nicht angekommen. Die haben die einfach in Addis gelassen weil das Flugzeug zu schwer/voll war. Noch 20 andere Leute hatten das gleiche Pech. So wurde also nix aus dem geplanten wiedersehen mit allen. Verena und die Kinder habe ich erst Sonntag besucht weil ich einfach zu müde war. Alle möglichen Leute haben mich bis jetzt schon sehr herzlich willkommen geheißen und ich fühle mich pudelwohl!! Sonntag war ich im Waisenheim Montag morgen in Kanyosha. Danach habe ich meine Koffer eingesammelt, die glücklicher weise beide (wenn auch einen Tag auseinander) angekommen sind. Dienstag hatte ich dann so zusagen meinen ersten Arbeitstag, ich war in Buterere mit Bienvenu und habe das neue heim besucht. Die Kinder aus dem Heim in der Stadt(was ich im Frühjahr aufgebaut habe) ist umgezogen weil es dort billiger ist. ein Kindergarten ist auch schon eingerichtet. Ist alles ein bisschen ärmlich: kein Wasser außer dreckiges zum waschen aus einem selbstgegrabenen Brunnen, Trinkwasser muss von ziemlich weit weg hergeholt werden, kein Strom und keine toilette nur ein loch im boden (musste ich heute leider einmal von gebrauch machen weil ich von 9 bis 16 Uhr dort war….) na ja geht alles irgendwie. Habe auch gleich schon ne lange Liste gemacht was alles fehlt und was ich verbessern kann. Dafür werde ich dann eure ganzen spenden nutzen. Tische bauen damit die Kinder nicht im Sand auf dem Boden essen draußen, eine Schülerin bezahlen, damit sie den älteren Mädels lesen und schreiben beibringt (sind schon zu alt um noch in die Schule zu gehen und von vorne anzufangen), das Haus von einem Vater reparieren (war eingefallen vom regen als ich gefahren bin und ist bis heute nicht repariert!!!!!!!!!!!!) und noch so einige Kleinigkeiten hier und da…. Jetzt ist ungefähr eine Woche um seid ich in Bujumbura angekommen bin. Neben den Begrüßungen in den Heimen habe ich Donnerstag meine erste kleine Reise unternommen. Ich habe in meinen anderen Berichten schon mal von Chantal erzählt. Sie ist eins von den Straßenmädchen, die ich im Frühjahr von der Straße geholt habe. Sie lebte schon in unserem kleinen Straßenmädchenheim als es noch in der Stadtwar. Im April ist ihre Mutter, mit der wir auch zusammen gearbeitet haben, von ihrem Ehemann umgebracht worden. Wir vermuten, dass es bei dem Streit der zu diesem schlimmen Ereignis geführt hat, um Geld ging. Die Fondation Stamm hat sich um Aufklärung dieses Mordes bemüht, leider ist der Täter schon wieder auf freiem Fuß. Verstehen kann man das nicht, aber wahrscheinlich wird der Vorfall nicht sehr ernst genommen von der Polizei hier, weil es sich ja nur um eine bettelarme Frau aus dem Armenviertel handelt.

Chantal und ihre 4 Geschwister leben nun also nicht mehr nur vorübergehend bei uns, sondern permanent. Die Fondation allerdings versucht ihre Kinder so weit es eben geht in die noch bestehenden Familien zu integrieren, Tanten, Onkel oder Großeltern werden ausfindig gemacht und soweit unterstützt, dass sie dazu in der Lage sind die Waisen aufzunehmen. Chantal und ihre Geschwister haben einen Opa. Diesen habe ich am Donnerstag zusammen mit dem Mädchen und meinem Kollegen Bienvenu aufgesucht. Wir sind mit dem Bus in eine angrenzende Provinz von Bujumbura gefahren. Von dort aus haben wir einen anderen Bus genommen der uns ca. 30 Km weiter in der kleinen Kommune Musenyi abgesetzt hat. Nach einem relativ kurzen Fußmarsch waren wir am Ziel angekommen. Leider haben wir den Opa nicht sofort angetroffen. Er war auf dem Feld arbeiten, wo er am Tag 600Fbu (ca.40 Cent) verdient. Seine Nachbarn haben uns aber herzlich willkommen geheißen. Ganz besonders natürlich die kleinen Kinder, die einem eigentlich überallhin folgen und ständig auf der Hut sind vor den Weißen. Ihnen wird nämlich erzählt, dass die Weißen kleine Kinder essen. Ich habe mir da natürlich einen Spaß daraus gemacht sie zu erschrecken und so zu tun als würde ich sie mir schnappen. Nach einer Weile haben sie das Spielchen durchschaut und rannten nur noch lachend und grölend in alle Richtungen. Nach ca. 2 Stunden kam dann schließlich auch endlich Chantals Großvater. Zuerst hat er seine Enkelin gar nicht erkannt, doch als wir ihm mitteilten wer sie sei, hat er sie umarmt und sich sehr gefreut. Er hätte sie glaube ich am liebsten gleich da behalten. Natürlich nicht nur aus Nächstenliebe. Er ist schon sehr alt und ihm käme ein junges Mädchen, das ihm bei der Arbeit helfen könnte gerade recht. Chantal soll aber erstmal etwas lernen. Wenn sie das gemacht hat, schicken wir sie gerne mit ihrem Einverständnis zu ihm. Was ihre Geschwister angeht haben wir auch neues erfahren. Sie sind alle von einem anderen Mann. Chantals Papa ist sehr früh gestorben und ihre Mutter hat sich einen neuen Mann gesucht. Mit ihm hat sie 4 Kinder bekommen. Leider ist auch er gestorben. Das gute ist nun, dass dieser Mann ein Stück Land mit einer Hütte besitzt, das von seinem Bruder verwaltet wird. Dieser Bruder soll sich nun wenn möglich um die vier Geschwister kümmern. Er lebt nicht weit vom Großvater entfernt und Chantal könnte ihre Geschwister oft sehen. Wir haben nächste Woche einen Termin mit diesem Mann. Ich hoffe, dass er einwilligt und die Kinder zu sich nimmt.

Heute Morgen war ich im Centre Uranderera bei den Kids. Wir haben Volleyball gespielt. Jetzt genieße ich den freien Nachmittag in meinem schönen neuen zu Hause bei Philipp. Wir haben eine nette WG. Außer uns beiden lebt hier noch eine Französin, die ein Praktikum in Buja macht. Fürs erste sag ich dann mal Bye Bye Eure Nadine

1 Kommentar

  1. jessica sagte,

    Juli 22, 2008 um 6:05

    hallo kleine!

    wie ich lese geht es dir gut! ist denn alles so wie du es dir vorgestellt hast? und die dinge die du dir gewünscht hast, auch in ordnung?

    vielleicht haste du ja mal zeit für eine nachricht, ansonsten sprechen wir wenn du wieder hier bist in ruhe… hast wahrscheinlich unmengen in den zwei monaten vor!

    lieb dich, pass auf dich auf!


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