Diese Woche ist wieder einiges passiert. Ich habe Interviews mit Frauen aus den Selbsthilfegruppen geführt, war in den Heimen unterwegs und habe zusammen mit Peline, unserer Heimleiterin, und Chantal, ihren Opa in Bubanza besucht. Bubanza ist eine Provinz nördlich von Bujumbura. Dort ist das Land eher Flach, nicht so bergig wie im Zentrum Burundis. Es wird sehr viel Reis angepflanzt und die Region wird hauptsächlich von Hutus dominiert. Sie sind auch deutlich wohlhabender als die dort lebenden Tutsi. Ich habe zuvor noch nie gesehen, wie Reis geerntet wird. Es ist eine sehr harte und schwierige Arbeit, die die Menschen verrichten. Sie stehen knietief in den vom vielen Regen überfluteten Feldern und müssen die Reiskörner aus den Hülsen schlagen, bevor sie zum Trocknen auf den Straßen ausgelegt werden. Es ist ein seltsamer Anblick, der mir in Buterere auch schon oft geboten wurde. Die Asphaltierten Straßen sind oft der einzige Ort, an dem man die Körner auslegen kann. Man ist gezwungen mit dem Auto, dem Motorrand oder den Fahrrädern darüber zu fahren.
Ich habe beschlossen, unsere kleine Reise von etwa 30 Km mit dem Motorrad zu machen, da es mit dem Bus viel länger gedauert hätte und der Preis für die Tickets ähnlich dem Preis für ein Taximoto gewesen wäre. Also bin ich zusammen mit Peline auf meinem Motorrad gefahren und Chantal mit einem Fahrer. Der vorher ausgehandelte Preis war 10.000 Fbu was etwa 6,25 Euro entspricht (Der Wechselkurs ist leider wieder gefallen). Nach etwa 20 Minuten Fahrt habe ich am rechten Straßenrand eine Kuh im Gebüsch entdeckt. Erfahrungsgemäß kommt nicht nur eine Kuh von den Feldern auf die Straße, sondern eine ganze Herde (etwa 15-10 Tiere). Die Hirten treiben die Kühe von Wiedeplatz zu Weideplatz und am Nachmittag dann wieder in die Ställe. Ich bin also vom Gas gegangen und habe einen kleinen Bogen um die Stelle gemacht. Das war nur leider nicht genug. Zwei der Kühe haben sich gegenseitig weggestoßen und sind mit einem Satz auf die Straße gesprungen. Eine von ihnen hat mich dann mit ihren Hörnen am Bein gestreift. Es ist weiter nichts passiert, da sie sich wohl noch mehr erschreckt hat als ich, aber sie hätte uns beinahe mitsamt dem Motorrad umgeworfen.
Unsere Fahrt ging dann ohne weitere Störungen weiter. Der Ausblick ist einfach herrlich, obwohl ich es noch schöner finde die Straße Richtung Süden entlang zu fahren. Dort hat man den See in greifbarer Nähe und bei schönem Wetter ist das Wasser so klar und türkisfarben wie in der Karibik. Trotzdem bietet der Ausblick im Norden auch einiges. Die schon erwähnten Reisfelder, die Berge des Kong auf der linken Seite und die grünen Hügel Burundis auf der Rechten. Es ist geschäftig, die Menschen transportieren ihre Waren auf Fahrrädern und auf ihren Köpfen oder treiben ihre Ziegen und Kühe vor sich her.
Als wir schließlich die geteerte Straße verlassen müssen, um zum Haus des Opas zu kommen, passiert das nächste unvorhergesehene. Der ansteigende Weg, überseht mit großen und kleinen Steinbrocken ist das vorläufige Ende unserer Tour. Mein Motorrad hat einen Platten. Mein erster Gedanke war: Oh nein, mitten in der Pampa eine Panne, wie sollen wir bloß wieder zurück. Dieser Gedanke war natürlich wie immer absolut überflüssig. Ich hatte für einige Sekunden vergessen, dass man in Afrika eigentlich nie ohne Hilfe ist. Der Taximotofahrer, schnappte sich mein Motorrad und sagte ich solle seins nehmen. Wir rollten den Weg wieder runter zur Straße und hielten vor einer kleinen Schweißerei. Dort ließen sofort alle ihre Arbeit liegen um die Muzungukazi zu bestaunen und evtl. auch etwas abzustauben. Nach ungefähr einer gefühlten Stunde (es war bestimmt weniger) war alles repariert. Die ganze Zeit über standen wir in der prallen Sonne und unterhielten uns mit den umstehenden Leuten. Eine kleine Prozession kommt an uns vorbei, sie tragen ein Kreuz vor sich her. Ich habe mich an den Anblick schon gewöhnt, doch dieses Mal tragen die Leute einen kleinen Sarg aus Sperrholtz, eingehüllt in afrikanischen Stoff – ein Kindersarg. Ich gucke rüber zu Peline und sie lächelt mich an. Sie hat so viel erlebt, dass sie solche Bilder bei Weitem nicht mehr aus der Fassung bringen. Ich schlucke kurz, sehe den Familienangehörigen in die Augen und nicke ihnen zu, als sie vorbei gehen.
Zum Schluss musste ich dann 5000 Fbu für die Reparatur blechen. Ein Preis der viel zu hoch ist. In der Stadt bezahle ich für eine Reifenreparatur nicht mal 2000Fbu. Als ich protestieren wollte, nahm mich Peline am Arm und schüttelte mit dem Kopf. Sie flüsterte mir zu, dass es nicht gut wäre hier noch länger zu bleiben und den Zorn der Leute auf uns zu ziehen. Der Mann der die Reparatur durchgeführt hat, sagte wohl sowas wie: es wäre nicht lange her, dass sich Tutsi (wie Peline) und weiße nicht getraut haben hier zu halten. Diese Drohung konnten wir natürlich nicht ignorieren und machten uns schnell auf den Weg zum Großvater.
Dort war natürlich niemand. Es musste erst jemand nach ihm schicken. In der Zwischenzeit sang Peline mit den neugierigen Kindern und wir verteilten Erdnüsse. Nach wiederum einer Stunde erschien dann endlich der Großvater. Er sah noch schlimmer aus, als letzten Sommer, als ich ihn kennenlernte. Er ist schätzungsweise 70 Jahre alt, sieht aber aus wie 100. Seine Zähne sind verstümmelt und größtenteils nicht mehr vorhanden. Sein Körper gleicht einem Skelett und seine Augen scheinen blind zu sein. Er begrüßt uns herzlich und macht sich schnelle daran, uns eine Bank und einen Stuhl in seine Hütte zu stellen. Seine Unterkunft ist dunkel und klein. Zwei kleine Kammern, die durch einen Vorhang von einander getrennt sind. In den Ecken liegen wenige Habseligkeiten und an der Wand hängt ein alter modriger Rucksack. Als er uns von seinem vergangenen Jahr erzählt, hat er Tränen in den Augen. Er führt ein hartes Leben und verdient sich sein Geld mit Feldarbeit. Er sagt, wie sehr er mich vermisst hat. Mir ist das sehr unangenehm, er erwartet natürlich Hilfe, aber anstatt zu sagen, dass er sich freut Chantal zu sehen, gilt seine Freude mir. Er fragt nach einem Mikrokredit, den ich ihm natürlich nicht geben kann. Er wohnt viel zu weit weg, als dass er das Geld zurück zahlen könnte. Dennoch freue ich mich, dass er nicht einfach nur Almosen möchte. Er möchte gerne wissen, wo Chantal und die anderen jetzt leben. Er will sie im Heim besuchen kommen. Ob er das geld dafür aufbringen wird, weiß ich nicht. Er erzählt weiter, dass er noch drei Söhne im Landesinneren hat. Auf Pelines Frage, warum er denn nicht bei ihnen lebe, antwortet er, dass er das kalte Klima dort nicht ertragen könnte. Ob das der wahre Grund ist oder nicht werde ich wohl vorerst nicht herausfinden. Nach ca. einer halben Stunde müssen wir wieder aufbrechen. Es ist Nachmittag und wir dürfen uns nicht zu lange aufhalten. Ich stecke Chantal Seife und 20.000Fbu zu, die sie ihm überreicht. Ich hoffe er wird mit dem Geld eine Weile über die Runden kommen.
Ausflug in den Norden
April 18, 2009 um 9:30 (Uncategorized)
Selbsthilfegruppen
April 7, 2009 um 7:14 (Uncategorized)
Heute habe ich zusammen mit dem burundischen Pater Alfons eine kleine Studienreise in den Süden Burundis nach Magara gemacht. Alfons hat 13 Jahre in Deutschland gelebt, studiert und eine Doktorabreit über die politische Alphabetisierung geschrieben. Alfons spricht perfekt deutsch und hat schon Anne sehr bei der Recherche für ihre Masterarbeit geholfen. Er ist im Frühling 2008 zurück nach Burundi gekommen und ist Direktor einer lokalen NGO. Neben seinen dortigen Aufgaben, hat er vor 4 Jahren ein eigenes Projekt ins Leben gerufen. In seiner Heimatkommune hat er viel Land aufgekauft, um eine Schule und eine Gesundheitsstation bauen zu können. Später soll aus dem noch kaum bebauten Terrain ein Dorf werden – mit eigenem Marktplatz und Restaurants.
Vor zwei Wochen habe ich ein Interview mit der Selbsthilfegruppenkoordinatorin der NGO Thars geführt. Sie erzählte mir, dass sie zusammen mit anderen Lokalen NGOs, und gesponsert von der Kindernothilfe, viele Selbsthilfegruppen begleiten würden. Durch Zufall habe ich letze Woche bei einem Treffen mit Alfons und Anne herausgefunden, dass seine NGO ebenfalls unter den Organisationen ist, die an dem Projekt teilnehmen.
Wir vereinbarten also für heute einen Termin, damit ich mir das ganze mal genauer angucken konnte. Ich habe selbst ja nur die Erfahrung mit Mikrokrediten machen können, denke aber, dass der Selbsthilfegruppenansatz nachhaltiger ist und die Frauen vor allem viel selbstbestimmter und unabhängiger sein lässt. Damit ihr versteht wovon ich überhaupt rede werde ich euch mal ne grobe Einführung geben:
Der „Self Help Group Approach“ wurde 2002 von der Kindernothilfe in mehreren Ländern Afrikas eingeführt und wird seit 2002 auch in Burundi praktiziert. Die Idee ist simpel. Angestellte der zuständigen NGOs gehen in ausgewählte Kommunen und dort zu den Ärmsten der Armen nach Hause. Sie verbreiten die Idee in vielen Haushalten und laden dann die Frauen zu einem ersten gemeinsamen Treffen ein. Bei diesem freiwilligen Treffen, werden nochmal grundlegende Informationen zu dem Projekt gegeben und gegen Ende der Versammlung können sich schon die ersten Frauen zu Gruppen zusammen tun. Dabei entscheiden die Frauen weitest gehend selbstständig. Entscheidend ist nur, dass sich in jeder Gruppe nicht mehr als 20 Frauen befinden und dass sie einen ähnlichen sozialen Status einnehmen. Dieses Prinzip ist besonders wichtig, da sich die Frauen schnell in der Entwicklung hemmen können, wenn einige finanziell besser gestellt sind als andere. Ablesbar ist der Status an der Anzahl von Ziegen oder Hühnern, oder ob die Kinder zur Schule gehen und der Mann (wenn er noch lebt) Arbeit hat oder nicht. Jedes Mitglied muss schon von Anfang an wöchentlich einen kleinen Geldbetrag in den gemeinsamen Topf einzahlen. Über die Höhe dieses Beitrages, Regeln in der Gruppe für die Vergabe von Krediten oder Geldstrafen bei Zuspätkommen oder Abwesenheit, entscheiden die Mitglieder selbst. Die Summe beläuft sich am Anfang auf 100 FBU (nicht mal 10 Cent), kann aber variieren (meist nicht mehr als 500 FBU). Wenn genug Geld zusammen gekommen ist, kann die erste Frau einen Kredit erhalten. Ähnlich wie bei Mikrokrediten, kann er für einen kleinen Handel benötigt werden, oder aber für die Behandlung eines kranken Kindes. Die Gruppe entscheidet im Voraus, ob und/oder in welcher Höhe Zinsen verlangt werden. Die ausgezahlten Summen sind äußerst gering (10.000 FBU, etwa 7 Euro) und die Wartezeiten sind sehr lang. Sie können jedoch verkürzt werden, wenn auch andere Einnahmen in den gemeinsamen Topf eingezahlt werden. Im Prinzip gibt es 4 Einnahmequellen: das Ersparte der Frauen, die Zinsen für die Kredite, Geldstrafen bei Verstoßen der Regeln und zu guter letzt die Gemeinschaftsarbeiten der Gruppe. Zuletzt genannte finde ich persönlich sehr interessant. So kann die Gruppe gemeinsam an einem Tag ein ganzen Feld bearbeiten, ein einziges Produkt (wie zum Beispiel Seife) verkaufen oder (wenn vorhanden) ein eigenes Feld bepflanzen und einen Teil des Gewinns in die gemeinsame Kasse einzahlen. Will ein Mitglied die austreten, wird ihm der gesamte eingezahlte Betrag, auch die wöchentlichen Beiträge, ausgezahlt. Das kann, je nach Kapital, eine Weile dauern, wird den Frauen aber dennoch zugesichert.
Der Selbsthilfegruppenansatz soll jedoch nicht in erster Linie eine Geldbeschaffungsmaßnahme sein, sondern ebenso die Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und sozialem wie wirtschaftlichem Denken befähigen. Zwei der Mitglieder der Gruppe, die ich heute besucht habe, waren krank und wurden nach dem Treffen von anderen Mitgliedern besucht. Die Frauen einigten sich darauf, wer Brennholz, Kohle und Essen bringen sollte. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass sich die Gruppen unterstützt und für einander da ist. Die Gemeinschaft zeigt den Frauen außerdem, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine dastehen und Ansprechpartner haben. Sie werden außerdem von einem Mitarbeiter der NGO begleitet. Er regt sie zu Gesprächen an und trainiert mit ihnen Kommunikation oder schult sie in wirtschaftlichen Fragen. Heute hat er mit den Frauen stille Post gespielt. Am Ende kam natürlich was anderes raus, als am Anfang gesagt. Anhand dieses Beispiels lernten die Frauen, wie wichtig es ist gut zuzuhören und deutlich zu sprechen. Besonders, wenn neue Projekte gestartet werden sollen, oder Informationen unter den Gruppenmitgliedern verbreitet werden müssen, ist die Kommunikation das wichtigste Mittel. Ein weiteres Thema heute war, welche Geschäftsideen sich rentieren, welche nicht und wie man das am besten herausfindet. So ist es wenig sinnvoll, die 20. Frau auf dem Markt zu sein, die Reis oder Tomaten verkauft. Gut hingegen wäre ein kleiner Bauchladen mit Stiften, die man dann direkt an Schulen verkauft, wo notorischer „Stiftemangel“ herrscht
.
Das ganze Konzept lässt sich nach einer Anlaufphase von einem Jahr noch ausweiten. Ab diesem Zeitpunkt werden die Frauen von keinem Angestellten mehr begleiten und sind völlig selbstständig organisiert. Momentan gibt es in Magara 23 Gruppen. Ziel ist es, aus ca. 10 Gruppen je zwei Frauen auszuwählen, die zusammen eine „Cluster Level Association“(CLA) bilden, um so zum Beispiel die Mitglieder und Familien aller Gruppen in der Gemeinde zu vertreten. Durch diese Zusammenschlüsse können für die Menschen viele Vorteile entstehen. So hat die bisher erste CLA in Magara erreicht, dass die Kosten für die Eintragung der Kinder einer Selbsthilfegruppe in der Gemeinde, von 4700 FBU auf 1000 FBU gesengt werden. Mich interessierte natürlich wo der Vorteil einer Eintragung liegt und die Antwort war mehr als einleuchtend. Der Staat hat eine kostenlose medizinische Versorgung von Kindern unter 5 Jahren eingeführt, von der Kinder jedoch nur profitieren können die registriert sind. Zudem gibt es manchmal spezielle Zuschüsse/Geschenke für Schulen, die diese auch nur an in der Gemeinde eingetragene Schüler weitergeben. Die dritte und letzte Phase sieht vor, dass sich Mitglieder einer CLA zu einer Föderation zusammen schließen, die dann eine unglaublich große Anzahl von Menschen vertritt und auch bei politischen Entscheidungen zu Wort kommen soll. Soweit ist es aber in Burundi noch nicht, da die Selbsthilfegruppen erst seit 2007 bestehen. In Ruanda jedoch haben sich schon viele Föderationen gebildet.
So das wars dann jetzt erstmal, bei Fragen einfach ein Comment schreiben und alles Weitere werde ich nach meinen nächsten Besuchen bei den Frauen erzählen.
Chantal
April 7, 2009 um 3:40 (Uncategorized)
Im Sommer habe ich euch schon mal von Chantal und ihren Geschwistern erzählt. Ihre Mutter starb im März 2008, weil sie von ihrem Ehemann erdrosselt wurde. Die Kinder lebten zu dieser Zeit schon bei uns im Heim, weil die Mutter ständig vom Alkohol betäubt war und sich nicht gut um sie kümmerte. Wir haben zwei der 5 Kinder zu Onkel und Tante väterlicherseits gebracht, wo sie zusammen mit den 7 leiblichen Kindern der Familie leben sollten. Chantal, ihre kleine Schwester Grace und der jüngere Bruder Claude sollten im Heim bleiben. Seit meiner Abreise im Sommer, hat Chantal eine Ausbildung zur Korbfelchterin gemacht. Sie sitzt den ganzen Tag mit anderen Frauen und dem Nachtwächter vom Waisenheim auf der Terrasse und übt fleißig. Immer im Schlepptau ihre zweijährige Schwester, die mittlerweile sogar laufen kann. Sie war sehr unterernährt als ich sie gefunden habe. Leider hat sie ihre anderen Geschwister seit August 2008 nicht mehr gesehen. Schon kurz nach meiner Ankunft hier, bat mich Chantal darum, zusammen mit ihr die beiden anderen Geschwister besuchen zu können. Sie leben zu weit von der Stadt entfernt, um die Reise alleine anzutreten. Ich habe mein Versprechen, mit ihr dorthin zu fahren, erst letzte Woche einlösen können. Die Arbeit am Haus und mit den Mikrokrediten hat ziemlich viel Zeit in Anspruch genommen. Verena stellte uns den Jeep zur Verfügung und mit ein bisschen Proviant gings los. Ich schätze es sind ungefähr 50 oder 60 Kilometer in Richtung Norden. Der Weg ist eine Schotterpiste die sich langsam die Berge hochzieht. Wir haben 1,5 Stunden gebraucht. Auf dem Weg sind wir an Demobilisierungscamps vorbei gekommen und man hat eigentlich die ganze Zeit keinen empfang. Die Familie wusste nichts von unserem Besuch, weshalb wir uns auf eine längere Wartezeit eigerichtet hatten. Manchmal arbeiten die Menschen auf einem Feld, dass weit weg von der Hütte liegt, sodass es Zeit braucht, jemanden zu schicken der sie über unser Eintreffen informieren kann. Das Auto mussten wir ein gutes Stück entfernt stehen lassen, da der Weg zu der Hütte ein kleiner Pfad am Hang eines Bananenbewachsenen Berges ist. Durch den Regen war er außerdem total rutschig und schlammig. Chantal fand den Weg zum Grundstück trotzdem und ließ mich und meine Kollegin dort zurück um die anderen zu suchen. Kurze Zeit später lugte ein kleiner Junge um die Ecke, sein Pulli war völlig verdreckt und er guckte uns schüchtern an. Ich brauchte einige Sekunden, um zu sehen, dass es Mani Eric war, Chantals etwa 10 jähriger Bruder. Mein erster Gedanke war, dass es ihm nicht gut geht oder dass die Familie ihn arbeiten lässt und nur die eigenen Kinder vernünftig versorgt. Solche Geschichten passieren leider viel zu oft. Die leiblichen Kinder werden bevorzugt und zur Schule geschickt, die anderen müssen hart arbeiten. Er begrüßte uns scheu (ich denke er schämte sich für seine dreckige Kleidung) und huschte dann schnell ins Haus wo Chantal kurz mit ihm alleine redete, bevor der Rest der Familie eintrudelte. Sie konnte mich beruhigen und meinte, dass es den Kinder gut gehe, sie würden morgens zur Schule gehen und nachmittags arbeiten, wie alle Kinder auf dem Land. Eric kam dann auch in ordentlicher Kleidung und gewaschen raus. Die anderen Cousinen und Kwizera (Chantals 12 jährige Schwester) kamen mit schwerem Brennholz auf den Köpfen vom Holzsammeln. Es folgte ein langes Gespräch mit dem Onkel und dem „Chef des Hügels“. Sie erzählten uns, dass es immer wieder zu gewalttätigen Einbrüchen und Diebstählen durch die Rebellengruppe FNL käme. Sie befinden sich zurzeit in Camps, um der Burundischen Armee angeschlossen zu werden. Leider werden sie scheinbar nicht genügend mit Nahrungsmitteln versorgt, sodass sie die Umliegenden Dörfer überfallen. Ich habe sofort ein schlechtes Gewissen bekommen, dass ich die Reise mit angetreten bin, denn ich will eigentlich vermeiden, dass man die Familie überfällt weil die Muzungu bestimmt viel Geld da gelassen hat. Wir haben dann so unauffällig wie möglich ein bisschen Geld und Kleidung im Haus verstaut und der Chef des Hügels hat den Leuten gesagt, dass wir nur gekommen sind, damit die Kinder sich sehen können. Was jetzt nach unserer Abfahr noch passiert ich kann ich nicht sagen. Die Möglichkeiten uns über das Wohlergehen der Familie auf dem Laufenden zu halten sind einfach unglaublich begrenzt. Alles in allem bin ich sehr zufrieden, denn den Kids geht es gut. Die Familie war außerdem sehr überascht, dass es Grace gut geht bzw dass sie noch am Leben ist! Sie hatten nicht damit gerechnet sie nocheinmal zu sehen. Der kleine Eric war leider ziemlich traurig als wir gefahren sind und flüsterte mir auf Kirundi ins Ohr, ob wir nicht zusammen fahren könnten. Natürlich fiel es mir schwer nein zu sagen, aber es ist einfach besser für die Zukunft der Kinder im Familienverbund zu leben. Nur so können sie wirklich lernen, wie sie sich einmal später selber versorgen können, wie ein Haushalt funktioniert und nicht zu vergessen, der Rückhalt, den eine Familie gibt. Gestern haben alle Freiwilligen den ganzen Tag mit den Kindern im Straßenkinderheim Volleyball gespielt. Hier war ein nationaler Feiertag und außerdem Ferienbeginn. Wir haben ein kleines Turnier veranstaltet und anschließend mein Lieblingsessen auf dem Feuer gebratenen Fisch in Tomatensoße mit Ubuswage gegessen.
Häuslebau
März 29, 2009 um 10:37 (Uncategorized)
Am Mittwoch habe ich damit begonnen, das Haus einer von uns in Buterere begleiteten Familie wieder aufzubauen. Die 10 köpfige Familie lebt seit über einem Jahr in einer Art Höhle, unter dem eingefallenen Dach ihres kleinen Hauses.

Der Besitzer, wie wir schließlich erfahren haben, lässt sie schon seit 4 Jahren Mietfrei auf dem Gelände wohnen. Für eine Reparatur hätte er jedoch kein Geld gehabt und außerdem sei Regenzeit, in der man keine neuen Wände hochziehen könnte. Die Kinder leiden unterdessen an entzündeten Augen und haben alle Flöhe, weil es nahezu unmöglich ist sie unter diesen Umständen sauber zu halten.
Wir haben also am Mittwoch zusammen das alte Fundament ausgegraben, das Dach auseinander genommen und ein neues errichtet.

Ich war ursprünglich fest davon überzeugt, dass wir alle bereits vorhandenen Materialen wiederverwenden würden. Ich wollte nicht einfach so ein neues Haus bauen, sondern mir war wichtig den Menschen zu zeigen, dass man durch Eigeninitiative auch ohne Hilfe von außen etwas verändern kann. Leider wurden meine hochmütigen Pläne sofort zerstört, da wirklich ALLE Holzpfähle und Wellblechdächer so vermodert waren, dass man sie auf keinen Fall für den Bau des neuen Hauses verwenden konnte. Also musste ich dann doch neues Wellblech kaufen, außerdem Zement für das neue Fundament, Nägel, Holzpfeiler und nicht zu vergessen Nahrungsmittel, da die Helfer ja versorgt werden müssen. Auch mein Plan, in Zusammenarbeit mit der Familie das Haus zu reparieren habt sich nicht durchsetzen können. Der Familienvater, dem ich eigentlich zugetraut hatte, dass er weiß, wie man ein Haus baut, weigerte sich strikt, selber das Dach zu bauen. Auch mein Arbeitskollege war fest davon überzeugt, dass dafür ein Spezialist kommen müsse. Zum Verständnis: Wir reden von der Errichtung eines Pfahlgerüsts (siehe Foto) auf dem dann die Wellbleche angebracht werden. Naja, wir haben also einen „Spezialisten“ aus der Nachbarschaft angeheuert uns zu helfen. Das ganze sieht ziemlich gut aus, nächste Woche werden wir fertig denke ich.

Der Besitzer, den vorher angeblich niemand erreichen konnte, wenn es um die Reparatur ging, stand schon nach den ersten 2 Stunden Arbeit auf dem Gelände und wollte wissen was wir machen. Mir war das so peinlich, weil ich ja eigenmächtig auf seinem Grundstück begonnen hatte SEIN Haus aufzubauen. Außerdem kamen mir Bedenken, ob er die Familie nicht womöglich nach der Fertigstellung rausschmeißen würde. Nach einem ausführlichen Gespräch, versicherte er uns, dass er das Haus und das Grundstück in den nächsten 5 Jahren nicht in Anspruch nehmen würde. Wir können nur hoffen, dass es tatsächlich stimmt. Wenn er die Familie dennoch rausschmeißen wird, dann werden sie das Dach abreißen und mitnehmen.
Ich bin eigentlich fast jeden Tag zusamen mit Anne und Bienvenu in Buterere. Anne arbeitet an der Reintegration von einigen Straßenjungs und Bienvenu hilft uns bei der Kommunikation und Organisation. Damit ihr wisst von wem ich rede hier ein Foto

Montag und Freitag war ich jeweils eine Stunde im Kindergarten in Buterere. Ich habe mit einer kleinen Gruppe über Burundi und die Nachbarländer geredet. Wenn sie soweit sind, dass sie eine Ahnung davon haben, wo sie sich befinden, werde ich ihnen Europa ein bisschen näher bringen. Warum ich das mache? Es existiert seit Kurzem eine Patenschaft zwischen unserem Kindergarten und einem Kinderhaus in Lörrach. Diese Patenschaft soll der Fondation Stamm ermöglichen, täglich Brei an die Kinder zu verteilen und auch die Umgebung kindgerechter zu gestalten. Vor meiner Abreise habe ich einen Brief mit schönen Bildern und Fotos von den Kindern aus Lörrach für unsere Kinder in Buterere erhalten. Gegen Ende meiner Zeit hier, will ich sie den Kids geben. Vorher sollen sie aber wissen woher die Sachen kommen.

Am Dienstag habe ich ein Interessantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin von Thars geführt. Diese Lokale ONG wird von der Kindernothilfe finanziert. Kindernothilfe hat in vielen Ländern Afrikas ein Projekt ins Leben gerufen, das sich „The Self Help Group Approach“ nennt. In Ruanda gibt es dieses Projekt seit 2002, in Burundi seit 2007. 10-15 Frauen bilden eine Gruppe, die in der ersten Phase noch von einer lokalen Organisation finanziert und angeleitet wird. Ziel ist es, viele kleine Selbsthilfegruppen zu gründen, von denen jeweils zwei Frauen eine CLA (Cluster Leven Association) bilden. Diese Assoziation vertritt dann bis zu 200 Frauen und deren Familien. Was mich besonders an dem Ansatz interessiert ist, dass die Mitglieder jede Woche einen kleinen Geldbetrag sparen, der später im Rotationsverfahren als Mikrokredit an die Frauen vergeben wird. Das Geld gehört ganz den Frauen und fließt nicht von außen in die Kassen der Gruppen. In zwei Wochen kann ich eine dieser Gruppen besuchen. Ich würde dieses Konzept gerne auch auf Buterere übertragen, da die Frauen sich so, unabhängig von der Fondation, eine Existenz aufbauen können. Leider benötige ich jedoch für die Umsetzung professionelles Personal und vor allem viel Zeit. Mir bleiben nur noch 4 Wochen, deswegen werde ich jetzt noch nicht damit anfangen. Aber vielleicht besteht dazu ja im Sommer die Möglichkeit.
Nach zwei Wochen
März 17, 2009 um 9:34 (Uncategorized)
Jetzt bin ich schon zwei Wochen in Burundi, ich habe Zeit gebraucht mich einzugewöhnen und meine Aufgaben zu finden. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass ich sofort anfange richtig zu arbeiten. Leider gibt es das Heim in Buterere nicht mehr, indem ich letzten Sommer jeden Tag gearbeitet habe. Es befinden sich dort nur noch der Kindergarten und das Büro für die Vergabe von Mikrokrediten. Die Straßenmädchen und ihre Geschwister, die wir dort untergebracht haben sind wieder auf sich allein gestellt. Ihre Familien kümmern sich nicht immer ausreichend um sie und so musste ich fast alle wieder auf den Straßen von Bujumbura betteln sehen. Ich zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich die Familien unterstützen kann. Mit Spendengeldern bin ich dieses Mal nicht gekommen. Ich habe mir fest vorgenommen, den Menschen auf andere Weise zu helfen. Sie sollen schließlich nicht ewig abhängig von Hilfen sein. Außerdem bin ich ja auch nach zwei Monaten nicht mehr da. Viel wichtiger ist es mir dieses Mal, in Zusammenarbeit mit ihnen, ihre eigenen Ressourcen zu wecken und sie zu motivieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Ich finde immer wieder Eltern vor, die ihren Kindern ein schlechtes Vorbild sind. Wenn sie nicht selber mit auf die Straße gehen zum Betteln, dann machen sie den ganzen Tag nichts. Ich habe oft den Eindruck, dass sie sich ihrem Schicksal hingeben, da man ja eh nichts ändern kann. Diese Sichtweise finden wir hier auch oft in den Heimen. In einem Gespräch mit 6 Straßenjungen, die zurück in Ihre Familien sollen ging es darum, sie zu einer Ausbildung zu motivieren. Sie waren nicht begeister von dieser Idee, im Gegenteil, sie argumentierten, dass Gott schon entscheiden würde, ob sie arm bleiben müssten oder nicht. Sie sehen einfach nicht ein, dass ihre Zukunft in ihren eigenen Händen liegt. Wir die Muzungus hätten ja den glaube an Gott sowieso verloren und uns würde nur Geld interessieren. Wir hätten ja nie echtes Elend erlebt und hätten leicht reden. Diese jungen Männer im Alter zwischen 18 und 23 formen zwar ihre Muskeln durch Sport, wollen ihre Kräfte aber nicht für Arbeit nutzen. „Das ist uns zu anstrengend…“!!!
Mir fällt es sehr schwer über ihre und die Einstellung der Eltern in den Armenvierteln zu urteilen. Steht es mir zu, zu behaupten, dass sie mit mehr Engagement und Eigenleistung sehr viel verändern könnten? Und ist es nicht auch unsere Schuld, dass die Jungs nie richtig gelernt haben für ihren Unterhalt zu kämpfen. Sie waren jahrelang im Heim, habe nicht gelernt, wie man ein Feld bestellt oder wie man eine Familie versorgt. Das übernehmen sonst die Familien im alltäglichen Leben, doch anstatt sie zu den Familien zu bringen und sie dort zu unterstützen haben wir sie in Heime gesteckt. Ein gutes Vorzeigebild für Spender, die bei Besuchen eine Anlaufstelle haben. Aber ist es auch nachhaltige und sinnvolle Hilfe? Im Prinzip wird den Kindern doch ein Leben ermöglicht, dass sie später nie selber leben könnten. Sie kommen aus armen Bauernfamilien und werden sich zum größten Teil auch wieder auf diese Weise durchs Leben schlagen. An dieser Stelle höre ich mal auf, das Thema ist wirklich sehr schwierig. Ich selber dachte immer, im Heim ist es besser als bei den Familien, weil die Kinder zur Schule gehen können, sie garantiert essen können und ein eigenes Bett haben. Aber eben dieser „Luxus“ formt die Mentalität und die Zukunftsvorstellungen der Kinder, die leider nicht sehr realistisch sind.
Zurück zu Buterere und den Familien dort. Nicht alle Frauen, mit denen ich arbeite leben in extremer Armut und nicht alle haben die Hoffnung auf ein gutes Leben verloren. Ich sehe durchaus auch Familien, in denen beide Eltern arbeiten und deren Kinder immer sauber sind, auch wenn sie kein fließendes Wasser im Haus haben. Eine besonders zuverlässige junge Mutter aus Buterere hat mich sofort am ersten Tag verblüfft. Ich habe ihr im Sommer das erste Mal einen Mikrokredit gegeben. Zuerst zögerte ich, denn sie war sauber und verhältnismäßig gut gekleidet, sprach sogar französisch. Ich dachte mir: Warum braucht sie einen Kredit, es geht ihr doch gut. Ihr Mann hat Arbeit und sie ebenfalls. Sie wollte ihren Handel jedoch verbessern und benötigte 30€. Ich entschloss mich zusammen mit Bienvenu ihr den Kredit zu gewähren.
Heute hat sie schon ihren zweiten Kredit gewissenhaft zurück gezahlt und ist diejenige, die uns Informationen über andere Frauen gibt. Durch sie können wir die anderen Frauen aus dem Viertel besser „kontrollieren“. Sie kennt ihre Nachbarinnen und ist uns bei der Auswahl der Kreditnehmerinnen eine große Hilfe.
Vor letzte Woche begrüßte sie mich freudestrahlend und übergab mir ein Paket, ordentlich eingepackt in Geschenkpapier. Darin befand sich eine von Hand bestickte große Decke und ein Brief, indem sie sich für meine Hilfe bedankte. Anschließend lud sie mich zu sich nach Hause ein. Sie wohnt nur wenige Meter vom Büro entfernt. Ihr Haus ist geräumig, mit einem Innenhof und einem richtigen Tor. Der Boden ist nicht aus Lehm, sondern asphaltiert. Hier lebt sie mit ihrem Ehemann, dessen erster Ehefrau und den Kindern. Ihr Mann kam zu dem Zeitpunkt gerade von der Arbeit. Er ist LKW-Fahrer und beliefert Geschäfte im Landesinneren mit Zigaretten.
Woran liegt es, dass es dieser Familie gut geht, die Familie nebenan aber in Dreck und Armut lebt? Ich weiß es nicht, jedenfalls habe ich keine eindeutige Antwort darauf.
Letzte Woche habe ich zusammen mit Anne den Ort Ruyigi im Landesinneren besucht. Dort lebt und arbeitet „Maggy“. Eine sehr berühmte Burunderin.
Am Dienstagmorgen um 8h sind wir mit dem Bus los gefahren. Die Fahrt dauerte fast 4 Stunden. Auf den letzten 60 km ist die Strasse sehr schlecht, mit Schlaglöchern durchzogen. Ruyigi ist ein kleines Dorf. Dort angekommen wurden wir sehr herzlich von Maggie empfangen. Sie begleitete uns in das Maison Shalom, ihr Haus, indem wir die 4 Tage gelebt haben. Jeden Mittag und Abend gab es warmes burundisches Essen mit 10 verschiedenen Gerichten, Kochbananen in 4 verschiedenen Varianten, Fleisch, Bohnen, Reis, Kartoffeln, Lenga-lenga… Abends gab es zusätzlich noch Gemüsesuppe, eigentlich überhaupt nicht burundisch.
Nach dem Essen hat uns ein Mitarbeiter die ganzen Projekte des Maison Shalom gezeigt, dazu gehören Ausbildungsstätte ( Landwirt, Automechanik, Schreiner), zwei Hotels (Frieden + Maison des Anges), ein Kindergarten, ein Mutter-Kind Haus zur Aufklärung und begleitung bei Schwangerschaften, ein riesiges Krankenhaus „Rema“ welches noch im Bau ist und die „cité des anges“ ( eine Art Freizeitkomplex mit Kino, Sport, Bibliothek, Schwimmbad, Kiosk, Friseurladen, Schneiderladen). In vielen dieser Projekte arbeiten Kinder, Frauen und Männer die Maggy während den Kriegsjahren aufgenommen hat. Zu den Personen in ihrem Haushalt gehört auch eine Mutter, die, nachdem ihre 8 Kinder vor ihren Augen ermordet wurden, starke irreversible psychische Schäden erlitten hat. Neben den aufgezählten Projekten, gibt es eine Reihe an Fratries. Dies sind Wohngemeinschaften von Geschwister deren Eltern verstorben sind. Sie wohnen in von Maggie gekauften Häusern, etwas abgelegen von Ruyigi, mit großem Garten, wo sie an den Wochenenden und in den Ferien arbeiten. Unter der Woche gehen sie zur Schule, wo wiederum Maggie alle Kosten übernimmt. Der älteste der Geschwister ist der „chef de ménage“ Chef des Haushalts. Diese Fratries werden regelmäßig von Psychologen oder Sozialarbeitern besucht.
Wegen der Verfolgung und Ermordung der Albinos in Tansania haben sich viele nach Ruyigi geflüchtet. Ihr Blut, ihre Gliedmaßen und Köpfe werden teuer an Zauberer verkauft. Sie finden in einem vom Staat bezahlten Haus Zuflucht und werden von Maggie mit Lebensmittel unterstützt, dennoch wohnen sie in schlechten Konditionen, auf engem Raum und in ständiger Angst. Anfangs wollte Maggie die ganzen Kosten übernehmen, dies wollte die Regierung jedoch nicht, wahrscheinlich weil die staatliche, burundische Polizei mit den Zauberern in Tanzania Geschäfte macht, und ihnen die Albinos ausliefert.
Überhaupt steht Maggie im Schussfeuer von so einigen Leuten, nicht nur der Regierung sondern auch von manchen anderen ONG. Sie übt scharfe Kritik an der korrupten burundischen Regierung und an der, wie sie sagt „Perversion der Entwicklungshilfe“.
Sie hat ihre ganze Arbeit in den Heimen beendet und in Gemeinwesenarbeit umgewandelt. Sie bietet den Kindern Ausbildung an, baut ihnen Häuser, bietet psychologische und medizinische Unterstützung, macht Aufklärungsarbeit in den Familien und Aidspräventionsprojekte in den Dörfern indem sie mit den Gouverneuren und den Kommunen der Hügel zusammen arbeitet. Da die meisten der Kinder nicht aus der Nähe von Ruyigi kommen, hat sie in vielen Kommunen Posten, wo Psychologen und Sozialarbeiter installiert sind, um die Familien und Kinder regelmäßig besuchen und betreuen zu können.
Ich habe in den vier Tagen in Ruyigi viel für mich persönlich mitnehmen können. Die Menschen dort haben mir wieder Aufschwung gegeben für meine Arbeit in Bujumbura. Man hat das Gefühl in eine große Familie zu kommen.
Maggie ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, eine starke Frau mit viel Charisma, Herzlichkeit und Offenheit. Sie vertritt ihre Meinung sehr eindrucksvoll. Leider war die Zeit sehr kurz, sodass wir nur eine Ahnung von ihrer Person und ihrer Arbeit bekommen konnten.
Die kleine Stadt Ruiygi ist anders als das Burundi was ich bis jetzt gesehen hab, selten sieht man Männer den ganzen Tag nichts tuend am Straßenrand sitzen, selten wird man angebettelt. Unter den Bewohner spürt man eine Solidarität und alle scheinen fleißig zu sein. Vor allem hat uns die Arbeitsatmosphäre unter allen Mitarbeiter des Maison Shalom beeindruckt. Sie ist geprägt von Offenheit, Zusammenarbeit und Vertrauen. Ein Mitarbeiter meinte zu uns, das Maison Shalom wäre wie eine Kette in der jeder einzelne gebraucht wird. Alle Mitarbeiter befinden sich auf gleicher Ebene und werden mit Respekt behandelt, sei es der Psychologe, die Köchin oder der Nachtwächter.
Also dann mal bis bald,
Eure Nadine
ab dem 3.3.2009…
Februar 24, 2009 um 8:40 (Uncategorized)

mhhhh
…gehts wieder los! Ich hoffe es werden wieder so viele schöne Sachen passieren wie die letzten Male. Hier halte ich euch über meine Arbeit natürlich wieder auf dem Laufenden. Geplant sind Projekte in Buterere, wo ich mich auch darum kümmeren werde die Patenschaft zwischen dem “Kinderhaus auf dem Bühl” in Lörrach und unserem Kinderarten zu fördern.
Also noch gibt es ja nicht viel zu berichten, das ändert sich dann nächste Woche…:-)
Liebe Grüße!
Abschied
September 10, 2008 um 7:04 (Uncategorized)
Jetzt ist es mal wieder soweit, morgen fliege ich zurück nach Deutschland. Ich bedanke mich bei euch allen für euer Interesse! Ich habe eine tolle Zeit hier verbracht und hoffe Anfang 2009 wieder vor Ort im Einsatz zu sein. Bis dahin werde ich mich von Deutschland aus engagieren. Alles was die Fondation Stamm und Burundikids betrifft, könnt ihr auf www.burundikids.org nachlesen. Außerdem wird noch diesen Monat hier in Burundi ein Artikel über mich in der Zeitung stehen. Unter www.iwacu-burundi.org wird er wahrscheinlich auch im Internet veröffentlicht (für die die französisch können).
Also dann, wir sehen uns in Deutschland!
Viele liebe Grüße
Eure Nadine
02.09.08
September 3, 2008 um 7:17 (Uncategorized)
Das neue Projekt von dem ich in meinem letzten Bericht erzählt habe ist gut angelaufen. Es haben schon 6 Frauen Kleidung erhalten und sie zahlen fleißig zurück. Die erste Frau der wir diese Art von Kredit angeboten haben war sofort begeistert. Sie ist mit 30 Kleidungsstücken aus dem Büro gegangen und schon nach einer Stunde mit einem Gewinn von 7000 Fbu zurück gekommen.
Die Idee kam mir beim sortieren der Kleidung die mit dem Container in Burundi angekommen ist. Es war einfach so unglaublich viel, dass man es unmöglich alles so verschenken kann. Da habe ich mir gedacht, warum nicht einigen Frauen eine Arbeit durch die Kleidung beschaffen. Bisher haben wir in Buterere und anderen Vierteln schon gute Erfahrungen mit der Vergabe von Mikrokrediten machen können. Die Frauen zahlen größtenteils gewissenhaft zurück und haben auch schon den 2. oder 3. Kredit bekommen. Im Moment mangelt es uns leider an Mitteln und somit warten ungefähr 15 Frauen schon seit längerem auf einen Kredit.
Ich habe also eine riesen Ladung Kleider nach Buterere geschafft und sie dort zusammen mit meinem Kollegen Bienvenu sortiert. Wir haben für jede Frau 30 Kleidungsstücke zusammen gesucht. Von allem war etwas dabei. Männer- und Frauenhosen, Hemden, Blusen, T-Shirts, Röcke, Kleider, Pyjamas, Oberteile, Anzüge. Nur Kinderkleidung habe ich nicht verteilt, denn die können wir nur zu gut in den Heimen gebrauchen.
Die Frauen zahlen uns pro Kleidungsstück nach dem Verkauf 500 Fbu zurück, plus 10%, die wir für sie anlegen. Was sie mit dem übrigen Gewinn machen ist ihnen freigestellt. Sie brauchen natürlich einen Teil zum Leben, aber den Rest können sie auf einem Konto bei uns anlegen oder selber sparen. Die meisten Frauen bevorzugen es, uns das Geld zu geben, weil sie Angst haben es sonst zu verlieren. Wir hingegen verwenden das zurückgezahlte Geld für neue Mikrokredite.
Das System ist einfach und kann viel bewegen, das einzige Problem das bisher aufgetreten ist, ist dass die Frauen die Kleider zu viel zu günstigen Preisen verkaufen und nur wenig Gewinn machen. Sicherlich werden sie die Sachen schnell los, wenn es günstig ist, aber unser Vorrat ist auch nur begrenzt und wir wollen, dass sie soviel wie möglich verdienen, um später auf eigenen Beinen zu stehen.
Heute war mal wieder ein sehr arbeitsreicher Tag. Ich war auf dem Markt, weil ich mit einer Kollegin Sachen für die Kinder kaufen musste. Windeln, Hefte, Uniformen, ein Babyklo, eine Schüssel zum Waschen u.v.m. Danach sind wir nach Kajaga gefahren um neue Kleidung für die Kinder im Heim Uranderera zu holen. Das Heim hat gestern Zuwachs bekommen. Chantal, Claude und Grâce sind umgezogen. Letztlich hat sich Chantal doch dazu entschlossen in dieses Heim zu gehen mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, denn dort kann sie lernen, wie Körbe hergestellt werden. Ich glaube, dass es so vor allem für das Baby am besten ist. Die Umstände sind besser weil es Strom und Wasser gibt, was das Leben einfacher und vor allem sauberer macht. Morgen werden die beiden anderen Geschwister, Kwizera und Mani Eric zum Onkel gebracht.
Letzte Woche ist auch das Ferienprojekt der Fondation in Buterere zu Ende gegangen. Das Projekt begann im August. Die Kinder der Fondation und andere Kinder aus dem Viertel haben in dieser Zeit Ziegelsteine hergestellt, die zum Bau der Schule verwendet werden können. Sie sind morgens aufs Feld und in die Lehmgrube, haben gebuddelt, geformt und gerannt. Mittagessen gabs jeden Tag im Heim und zum Abschluss letzte Woche haben wir Hefte, Kleidung und Essen verteilt. Es war ein nettes kleines Fest. Sinn dieser Sommeraktion war Kindern eine Beschäftigung zu geben. Die schulfreie Zeit im Sommer ist sehr lang und die Kinder freuen sich über Ablenkung. Außerdem lernen sie den Arbeitsalltag kennen, übernehmen Verantwortung und es entwickelt sich ein Gruppengefühl. Viele Organisationen hier planen für die Ferien solche Angebote. Sie schließen Aufklärungsvorträge mit ein und bieten Filmnachmittage an. So sind die Kinder sinnvoll beschäftig und lernen noch vieles dazu.
Umbruch
August 18, 2008 um 2:52 (Uncategorized)
Kerstin und Ruth, die beiden freiwilligen mit denen ich zusammen im Sommer 2007 meine Arbeit in Burundi begonnen habe, sind letzte Woche abgereist. Der Abschied war schwer für uns alle. Die Kinder und auch die Angestellten der Fondation haben mittlerweile verstanden, dass es in den nächsten Jahren immer so sein wird.
In wenigen Tagen werden 4 neue Freiwillige eintreffen. Lena ist derweil voll damit beschäftigt das Haus für sie herzurichten und alle Dinge die fehlen zu besorgen. Handtücher, neue Decken, Töpfe und Besteckt. Die alten Sachen sind mit der Zeit ziemlich abgenutzt und es fehlt eigentlich überall irgendetwas das angeschafft werden muss damit die Freiwilligen sich von Anfang an gut eingewöhnen können.
Letzte Woche haben wir zu sechst in der Schule in Kajaga Kisten geschleppt. Das geplante Labor muss bis September fertig sein und alle Materialien müssen an ihren Platz. Dafür haben wir einen ganzen Klassenraum voll mit Kartons leer geräumt und von einer Seite des Grundstücks auf die gegenüberliegende Seite transportiert. 6 Stunden lang sind wir durch die pralle Sonne hin und her gelaufen und haben unser Tagesziel erreicht.
Am Nachmittag bin ich dann wie jeden Freitag nach Buterere gefahren. Ich habe schon am Mittwoch drei neuen Frauen Mikrokredite gegeben und Freitag waren nochmal zwei an der Reihe. Außerdem kommen freitags die anderen Frauen um Geld zurück zuzahlen. Nachdem wir das erledigt hatten, wollte ich eigentlich mein Versprechen einlösen, dass ich einer der Frauen gegeben habe. Das Dach von ihrer Hütte ist völlig durchlöchert und ich habe ihr neues Wellblech gekauft, damit sie es auszubessern kann. Das Wellblech haben wir in unserem alten Büro gelagert. Als wir dort ankamen mussten wir feststellen, dass das Schloss aufgebrochen und der komplette Inhalt geklaut wurde.
Meine Laune war verständlicher Weise auf dem Tiefpunkt, es ist so ärgerlich, wenn man was plant und es dann nicht umsetzten kann. Wir wollten gerade wieder unverrichteter Dinge zurück zum Heim gehen, als sich mir ein Mann in den Weg stellt, mich freundlich anlächelt, „jambo“ sagt und mich zur Begrüßung umarmt. Im ersten Moment hab ich mir nur gedacht: das Gesicht kennst du, nur woher nochmal?! Es ist immer ganz schön schwer sich die vielen Gesichter zu merken, die ich während meiner Arbeit sehe. Nach einigen Sekunden dämmerte es mir. Der Mann ist Chantals Onkel. Und im gleichen Moment taucht auch seine Frau hinter ihm auf. Sie drückt mich für burundische Verhältnisse überaus herzlich und erklärt, sie seien extra aus den Bergen gekommen und wolle die Kinder besuchen.
Die beiden haben Glück uns auf der Straße getroffen zu haben, denn sie kennen den Weg zum Heim ja noch nicht. Wir nehmen sie und ihre Geschenke (2 Bananenstauden aus eigenem Anbau) mit und kaufen noch schnell Fanta und Cola, um sie willkommen zu heißen. Im Heim angekommen begrüßen sie die Kinder und wir setzten uns zusammen, um zu klären was mit den fünf Waisen passieren soll. Wie ich schon geschrieben habe, haben die beiden selber schon fünf Kinder und keinen Platz nochmal fünf aufzunehmen. Wir beschließen, dass die beiden kleinen Jungs ins Straßenkinderheim kommen, Chantal will mit dem Baby in Buterere bleiben, so kann sie eine Ausbildung zur Näherin machen und lesen und schreiben lernen, die jüngere Schwester soll bei der Tante und dem Onkel leben. So gemein es sich anhört, die Kinder zu trennen, denke ich ist es die beste Lösung und die einzige, die allen unter den gegebenen Umständen die Möglichkeit bietet zur Schule zu gehen. Claude und Eric sind jung genug um nach den Ferien mit der ersten Klasse anzufangen. Kwizera kann bei ihrem Onkel an einem Alphabetisierungskurs teilnehmen und danach weiter zur Schule gehen.
Diese Woche werde ich in Buterere noch ein weiteres Projekt beginnen, wir verteilen Kleidung an Frauen, die eigentlich einen Mikrokredit haben wollten. Diese Kleidung können sie dann verkaufen und ihren Lebensunterhalt aufbessern. Die Idee ist bei den Frauen super gut angekommen. Sie haben sich sehr gefreut und ich denke am Mittwoch kann es losgehen.
01.08.08
August 1, 2008 um 9:13 (Uncategorized)
Der Container den Burundikids Ende Februar in Deutschland auf die lange Reise nach Burundi geschickt hat ist vor 2 Wochen eingetroffen. Zusammen mit 6 fleißigen Jungs aus dem Heim „Uranderera“, Kerstin, Ruth, Philipp und einigen weiteren Helfer aus der Schule in Kajaga haben wir 8 Tonnen Sachspenden ausgeladen und in einem Klassenzimmer untergebracht. Der Inhalt bestand aus Kleidung, Computern, Stühlen, Fahrrädern, Decken, Stoffen, Seife, Solarlampenbausätze und vielem mehr. Wir waren insgesamt einen halben Tag mit dem Ausräumen beschäftigt. Zur Stärkung gab es Fanta und Cola und natürlich frisch gebackenes Brot aus dem schuleigenen Holzkohleofen. Das Brot wird nicht nur für den Eigenbedarf der Schule, sondern auch zum Verkauf an einem kleinen Straßenstand hergestellt. Desweiteren waren in dem Container zwei riesen Kisten mit Süßigkeiten, wovon wir natürlich gebührend Gebrauch gemacht haben.
Vier weitere Tage hat es mich gekostet die Kleidung zu sortieren. Leider ist die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen, denn bisher bin ich noch nicht über die Säcke mit Kleidung hinaus gekommen. Das bedeutet alle Kisten, in denen weitere Kleidung und sämtliche andere Gegenstände sind, sind noch verschlossen und der Inhalt noch nicht sortiert und geprüft. Es wartet also noch genügend Arbeit auf uns.
Letzte Woche war ich das bisher erste und einzige Mal am Strand. Es war herrlich in der Sonne zu liegen und ab und zu ins Wasser schwimmen zugehen. Es hat sich nichts verändert. Der Strand an den wir meistens gehen ist immer noch so schön wie vorher. Wenn man in die eine Richtung den Strand entlang guckt sieht man wie sich die Hauptstadt am Fuß der Berge ausbreitet und über allem die Universität, die in den Bergen groß und weiß hervor blitzt. Guckt man in die andere Richtung sieht man die Berge des Kongo, hinter denen die Sonne gegen 17 Uhr verschwindet. Alles in allem war es ein wunderschöner Tag.
Gestern sind Bienvenu und ich zusammen mit Chantal, ihren vier Geschwistern und dem Großvater mütterlicherseits in die Berge gefahren. Ich habe in meinem letzten Artikel schon von dem Besuch bei dem Großvater geschrieben. Gestern haben wir den Onkel väterlicherseits und seine Familie besucht. Ich hatte keine Ahnung, wo uns der Großvater hinführen würde, bin aber davon ausgegangen, dass es nicht weit von seinem Haus entfernt sein würde. Tja, ich war wohl doch ein bisschen zu lange in Deutschland und habe vergessen was in Afrika „nicht weit“ bedeutet.
Von der Stelle wo der Großvater wohnt, sind wir noch ungefähr eine Stunde mit dem Auto durch unwegsames Gelände und immer weiter in die Berge hinein gefahren. Schon nach wenigen Kilometern hatte keiner von uns mehr Empfang und außer dem alten Mann wusste auch niemand wo wir waren. Ein ziemlich komisches Gefühl, vor allem weil man ja auch nicht sicher sein konnte, dass er wirklich weiß, wo er uns hinführt. Wir sind an tiefen Schluchten, Baumbewachsenen Abhängen, Eukalyptuswäldern, Tannendschungeln und, was mich am meisten beeindruckt hat, an Demobilisationscamps der FNL vorbeigefahren. Ein Meer von blauen Plastikplanen, die zu Zelten umfunktioniert wurden, Dixiklos mitten im Nirgendwo und bewaffnete Südafrikaner, die die Menschen „beaufsichtigen“ und für Sicherheit sorgen sollen. Diese Camps werden errichtet für Soldaten der Rebellenbewegung FNL, die nach neuestem Beschluss aufgelöst werden soll. Ich will an dieser Stelle nicht weiter ausholen, weil mir selber konkretere Informationen fehlen.
Letztendlich sind wir heil an unserem Ziel angekommen. Die Familie hat uns herzlich aufgenommen und wir konnten in Ruhe über die Zukunft der Kinder sprechen. Der Onkel lebt mit seiner Frau und 5 Kindern in einem recht geräumigen Häuschen. Es ist umgeben von einem kleinen Stück Land, dass der Onkel mit dem Vater von unseren Schützlingen geteilt hat. Dort wachsen Bananen und andere Gemüsesorten, die die Familie zum Überleben braucht. Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner Stall, indem die Kuh der Familie untergebracht ist. Uns war, trotz dieser positiven Lebensumstände, schnell klar, dass die Familie nicht dazu in der Lage sein würde, alle 5 Kinder aufzunehmen.
Sie willigten jedoch ein sich um Kwizera (11 Jahre) und Maniarakiza (8 Jahre) zu kümmern. Kwizera, die noch nie zur Schule gegangen ist, kann nach den Ferien an einem Alphabetisierungskurs teilnehmen und ihr Bruder kann ganz nochmal in die erste Klasse gehen. Für Claude (5 Jahre) Chantal (15 Jahre) und Grace (1 Jahr und 6 Monate) haben wir bisher noch keine konkrete Lösung gefunden. Es ist aber möglich, dass Claude ins Straßenkinderheim „Birashoboka“ zu den Jungs kommt, um dort auch zur Schule zu gehen.
Bei Chantal und dem Baby ist die Sache sehr kompliziert. Durch den Tod der Mutter ist das Mädchen für die Versorgung der kleinsten Schwester zuständig. Das bedeutet, dass man sie unmöglich trennen kann. Trotzdem wollen wir ihr eine Ausbildung ermöglichen. Sie könnte zum Beispiel Nähen oder Sticken lernen. Ich treffe mich heute wieder mit allen zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten. Mir gefällt es eigentlich generell nicht die Kinder zu trennen, aber unter den gegeben Umständen wird es wohl kaum anders möglich sein. Wenigstens haben die Mädchen vor zwei Wochen in Buterere angefangen lesen und schreiben zu lernen. Viermal pro Woche kommt eine Lehrerin vier Stunden am Tag ins Heim nach Buterere. So sind sie sinnvoll beschäftigt und werden endlich ein bisschen vorbereitet auf die Anforderungen des „Berufslebens“, sei es als kleine Markverkäuferin oder als erfolgreiche Näherin
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